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08.2012

Marktkonsistente Bewertung in der Privaten Krankenversicherung


Die marktkonsistente Bewertung spielt in der Versicherung eine zunehmend größere Rolle. In der Lebensversicherung wurde hierfür in den letzten Jahren das Konzept des „Market Consistent Embedded Value (MCEV)“ entwickelt. Seine Übertragung auf die PKV erweist sich allerdings als eine anspruchsvolle Aufgabe, weil dabei den zentralen Funktionsweisen der Privaten Krankenversicherung Rechnung getragen werden muss – insbesondere im Hinblick auf den Wert der finanziellen Optionen und Garantien (TVFOG). So wird in vielen MCEV-Reports der TVFOG für die PKV mit Null ausgewiesen, was in deutlichem Gegensatz zur Situation in der Lebensversicherung steht, wo dieser Wert i.d.R. deutlich positiv ist. Teilweise ergeben sich in den Berechnungen sogar negative Werte für den TVFOG, und dies wirft die Frage auf, wie derartige Werte aus Sicht des Risikomanagements zu beurteilen sind.

Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) hat in Kooperation mit der Universität Ulm hierzu eine umfassende Untersuchung durchgeführt, die folgende Ergebnisse erbracht hat:

  • In der deutschen PKV besitzt besitzen finanzielle Optionen und Garantien (i. Allg.) nur einen geringen Wert.
  • Dies steht in deutlichem Kontrast zur Situation in der Lebensversicherung.
  • Wesentliche Ursache sind PKV-spezifische Aspekte bei der Kalkulation und der Überschussbeteiligung.
  • Sowohl die Grenze für den Auslösenden Faktor der Beitragsanpassung als auch die Duration der Kapitalanlagen haben einen deutlichen Einfluss auf den TVFOG und können damit zu seiner Steuerung verwendet werden.

Die durchgeführten Analysen zeigen, dass gerade in der PKV unternehmensspezifische Analysen notwendig sind, um die relevanten Treiber für den MCEV zu identifizieren. Dabei erweist sich insbesondere die angemessene Abbildung des Kundenverhaltens als große Herausforderung (z.B. mögliche Reaktionen auf eine Rechnungszinssenkung in Form von Tarifwechsel bzw. Storno).

Derartige Analysen erfordern den Einsatz eines Modellierungstools, das vor allem sehr kurze Rechenzeiten für die stochastische Simulation eines komplexen Unternehmensmodells garantiert. Sie wurden mit dem aktuariellen Modellierungstool ERM System (unseres Partnerunternehmens ACTUARIS) durchgeführt. Aufgrund seiner modernen Architektur und vollständigen Transparenz (keine Blackbox-Bestandteile wie in anderen Lösungen) können Modelle für derartige Analysen (in den Sparten Leben, Kranken, Schaden/Unfall) auch ohne langjährige Kenntnisse der Software in sehr kurzer Zeit implementiert werden. Dies eignet sich u.a. hervorragend für Abschätzungen von ausgewählten Teilbeständen in vereinfachten Modellen.

Auch in der PKV wird die stochastische Bewertung im Hinblick auf Solvency II an Bedeutung gewinnen, z.B. als Alternative bzw. zur Validierung der Ergebnisse des inflationsneutralen Bewertungsverfahrens oder im Rahmen des ORSA. ifa unterstützt in diesem Bereich Versicherer bei verschiedenen Fragestellungen – von der strategischen Planung ihrer künftigen Steuerung sowie der Entwicklung und Implementierung geeigneter Modelle über die Analyse und Interpretation der erzielten Ergebnisse bis hin zur konkreten Umsetzung in unternehmerische Maßnahmen.

Eine Zusammenfassung der obigen Untersuchung ist in der Zeitschrift Versicherungswirtschaft (14/2012 von 15.7.2012, Seite 1064 ff) erschienen.


Weitere Informationen:

Dr. Jan-Philipp Schmidt
+49 (731) 20 644-253

Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften
Lise-Meitner-Str. 14
89081 Ulm

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