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01.2012

Langlebigkeit – der schlafende Riese unter den Versicherungsrisiken


Das Langlebigkeitsrisiko als eines der zentralen Versicherungsrisiken gewinnt in der Lebensversicherung und der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Geringere Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und steuerliche Anreize erhöhen dauerhaft die Nachfrage nach privaten Altersvorsorgeprodukten, die zudem oftmals eine zwangsweise Verrentung vorsehen und garantierte Rentenfaktoren enthalten. Gleichzeitig führen sinkende Kapitalmarktrenditen dazu, dass Risikoverluste deutlich schlechter kompensiert werden können als noch vor einigen Jahren. In dieser angespannten Situation erfordern Solvency II und auch IFRS nun eine realistische Bewertung und ein adäquates Management des Langlebigkeitsrisikos. Auch wenn sich Langlebigkeit erst über Jahrzehnte realisiert, wirken sich Änderungen in der prognostizierten Lebenserwartung schlagartig und durchaus enorm auf die ökonomische Bilanz aus.

Die Modellierung von Sterblichkeitsentwicklungen und die Analyse, Bewertung und das Management von Langlebigkeitsrisiken ist ein zentraler Beratungsschwerpunkt des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften. Das ifa unterstützt Versicherer und bAV-Einrichtungen u.a. bei folgenden Themen:

  • Analyse von Bestandszusammensetzungen und der individuellen Risikosituation
  • Herleitung geeigneter Sterbetafeln und Sterblichkeitsprojektionen bzw. Anpassung existierender Tafeln an konkrete Versicherungsbestände durch innovative Konzepte wie Heat charts
  • Entwicklung und Implementierung von szenariobasierten und stochastischen Sterblichkeitsmodellen z.B. für die Risikokapitalbestimmung unter Solvency II
  • Marktkonsistente Bewertung von Langlebigkeitsrisiken und Absicherung dieser Risiken über den Kapitalmarkt

Konkrete Projekte umfassen dabei u.a.:

  • Anpassung und Auswahl von Sterbetafeln für Pensionseinrichtungen
  • Entwicklung eines stochastischen Sterblichkeitsmodells mit einem führenden Rückversicherer für sein internes Solvency-Modell
  • Bewertung von Langlebigkeitsrisiken im Rahmen von kapitalmarktnahen Altersvorsorgeprodukten wie z.B. Variable Annuities
  • Aktuelles Projekt mit einer internationalen Organisation zum Thema Absicherung von Langlebigkeitsrisiken über den Kapitalmarkt

In Kooperation mit dem Institut für Versicherungswissenschaften gehört ifa auch zu den international führenden Experten bei der Weiterentwicklung von Modellen und Methoden zur Modellierung von Sterblichkeit und Langlebigkeit.

  • Analyse von Sterblichkeitsprojektionen mittels Heat charts und Entwicklung eines neuen Projektionsmodells, das Defizite existierender Projektionen ausbessert. Insbesondere ermöglicht das Modell die Erstellung konsistenter Projektionen für Männer und Frauen, berücksichtigt Kohorteneffekte und schreibt die historischen Sterblichkeitsstrukturen plausibel und unter Berücksichtigung auch der Entwicklungen in anderen Ländern fort.
  • Entwicklung eines neuartigen Ansatzes zur stochastischen Modellierung des langfristigen Sterblichkeitstrends. Dieser Ansatz erlaubt die adäquate Bewertung von Sterblichkeits- und Langlebigkeitsrisiken über kurze Zeiträume, z.B. ein Jahr unter Solvency II.
  • Analyse des Schockszenarios für Langlebigkeitsrisiken im Solvency II Standardmodell, Bewertung möglicher Konsequenzen und Entwicklung eines alternativen Schockszenarios basierend auf der Volatilität eines stochastischen Sterblichkeitsmodells.
  • Erstmalige Kalibrierung und praktische Anwendung eines stochastischen Forward-Modells für Sterblichkeit, u.a. für Solvency II, Natural Hedging und die kapitalmarktnahe Bewertung von Langlebigkeitsrisiken.

Zur Qualitätssicherung stellt ifa seine Methoden auch regelmäßig auf internationalen Konferenzen zur Diskussion, so kürzlich auf der 7th International Longevity Risk and Capital Market Solutions Conference in Frankfurt am Main und dem Pensions, Benefits, and Social Securities Colloquium der IAA in Edinburgh. 


Weitere Informationen:

Dr. Matthias Börger
+49 (731) 20 644-257

Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften
Lise-Meitner-Str. 14
89081 Ulm

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