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05.2014

Des einen Freund, des anderen Leid – Das Risiko der Langlebigkeit in der bAV


Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften wurde von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (aba) eingeladen, auf der diesjährigen Jahrestagung einen Vortrag zum Thema Langlebigkeit in der bAV zu halten. Langlebigkeit ist das zentrale versicherungstechnische Risiko in der bAV, wird bisher aber im Vergleich zu den Kapitalanlagerisiken wenig beachtet. Dabei hat es direkten Einfluss auf die tatsächlich zu erbringenden Leistungen, während der Diskontzinssatz „nur“ den heutigen Wert der zukünftigen Leistungen beeinflusst. In seinem Vortrag ging Herr Matthias Börger auf drei wesentliche Aspekte des Langlebigkeitsrisikos in der bAV ein:

1. Sterblichkeitsunterschiede aufgrund sozio-demographischer Risikofaktoren

Pensionsbestände bestehen in der Regel aus sehr unterschiedlichen Personengruppen – vom Vorstand bis zum einfachen Büroangestellten oder Fabrikarbeiter – und die sozio-demographischen Unterschiede zwischen diesen Personengruppen führen zu deutlichen Unterschieden in der Lebenserwartung. Die üblicherweise verwendeten Standard-Sterbetafeln werden diesen Unterschieden nicht gerecht und unterschätzen daher oftmals die tatsächlichen Verpflichtungen. Eine Zerlegung des Bestandes in homogene Teilkollektive z.B. entsprechend der konkreten Tätigkeit, der Position im Unternehmen oder der Pensionszusage vermittelt dagegen ein genaueres Bild der zu erbringenden Leistungen und trägt somit zur Reduzierung des Langlebigkeitsrisikos bei.

2. Unsicherheiten in Sterblichkeitsprojektionen

Sterbetafeln enthalten Projektionen, die beschreiben wie sich die Sterblichkeit in der Zukunft erwartungsgemäß verändern wird. Diesen Projektionen kommt eine große Bedeutung zu, denn eine Unterschätzung der zukünftigen Lebenserwartung um nur ein Jahr impliziert bereits einen Anstieg des Verpflichtungswertes um etwa 4%. Die Angemessenheit von Sterblichkeitsprojektionen kann durch intuitive, grafische Methoden überprüft werden, so genannte Heat Charts. Mit ihrer Hilfe konnte Herr Börger typische Schwachstellen häufig verwendeter Standard-Projektionen aufzeigen und veranschaulichen, wie man diese Schwachstellen mit einem neu entwickelten Projektionsmodell beheben kann.

3. Absicherung des Langlebigkeitsrisikos über den Kapitalmarkt

Angemessene Sterblichkeitsprojektionen und die Berücksichtigung sozio-demographischer Faktoren können das Risiko unerwarteter Erhöhungen des Verpflichtungswertes deutlich reduzieren, sie können es aber nicht ausschließen. Eine interessante Möglichkeit zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos bieten Transaktionen an den Kapitalmarkt oder kapitalmarktähnliche Transaktionen, bei denen das Langlebigkeitsrisiko an Rückversicherer übertragen wird. Über Finanzinstrumente wie z.B. Longevity Swaps kann das Langlebigkeitsrisiko auf Seiten des Unternehmens eliminiert werden. In Großbritannien hat sich in den letzten Jahren ein Markt für derartige Langlebigkeitstransaktionen entwickelt, der auch für Deutschland Vorbild sein könnte.

Die Folien zum Vortrag stehen hier zum Download zur Verfügung.


Weitere Informationen:

Dr. Matthias Börger
+49 (731) 20 644-257

Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften
Lise-Meitner-Str. 14
89081 Ulm

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